PostHeaderIcon Dieselaggregate Stand April 2017

Nach langer Beitragspause wollen wir nun endlich wieder über unsere Dieselaggregate im Bunker berichten.

Wie es bei einem so großen Objekt gerne passiert, sind uns bei der Restauration des Notstromaggregates Nr.2 auch hier einige Dinge dazwischen gekommen, bzw unvorhergesehene Probleme haben die Arbeiten komplizierter gemacht als angenommen. Das hat uns natürlich nicht abschrecken können, da wir unverändert am Grundsatz "Richtigkeit vor Schnelligkeit" festhalte.

Also was war passiert:

Die demontierten Zylinderköpfe wurden komplett aufgearbeitet: Ventilsitzbearbeitung, Schleifen der Ventile. Die Glühkerzeneinsätze konnten auf Grund von Kavitationsschäden nicht mehr verwendet werden und wurden getauscht. Das gleiche galt für die Kopfeinsätze. Diverse Gewinde wurden hierfür nachgeschnitten. Eine scheinbar kleine Maßnahme aber auch der richtige Gewindeschneider musste erst beschafft werden. Auch die Topfbrenner wurden getauscht. Dies gestaltete sich als schwierigste Aufgabe, da wir hierfür erst ein Sonderwerkzeug in einsatzgehärteter Ausführung angefertigt lassen mussten.

Bild 1 Kopfbearbeitung: Abdrücken der überarbeiteten Köpfe

Bild 2 Spezialwerkzeug Topfbrenner

Bild 3 Demontage Topfbrenner

Ein weiterer Zeit- und Geldfresser war der Turbolader. Auf Grund der Kollision konnte der Läufer nicht mehr ohne weiteres verwendet werden. Hier fanden wir die Lösung bei der Firma Treckel Schiffsservice, eine Spezialfirma, welche die Aufarbeitung derartiger Turbolader noch beherrscht. Der Läufer wurde demontiert und eingeschickt. Nach erfolgter Reinigung und Rissprüfung wurden die Lager und Lagerstellen vermessen. Ein Glück. Beides war noch in der Toleranz! Abschließend wurde der Läufer dynamisch feingewuchtet und wieder zu uns geschickt.

Bild 4 Turboladermontage

Die Fertigmontage des Motors und die Wiederinbetriebnahme des Kühlkreislaufes zogs dem Aufwand entsprechend auch. Aaaaaaber: Irgendwann waren wir am wichtigsten Punkt angelangt: "Du sag mal, eigendlich sind wir doch jetzt so weit?" Nach mehrfachen Kontrollen kamen wir zu dem Entschluss die Kiste zu starten. Also Vorglühen Vorschmieren und dann der Anlasser mit dem vertrauten "Peng" des Anlasserrelais.gurgel gurgel gurgel und tatsächlich: Der Motor sprang auch sofort an, allerdings mit erheblicher Rauchetwicklung im Aggregate Raum. Einer der Rauchquellen konnte schnell beseitigt werden, indem diverse Schrauben an der Abgasverrohrung nachgezogen wurden. Eine andere Quelle waren die Glühkerzen. Um Standardglühkerzen verwenden zu könne ließen wir einst spezielel Adapter anfertigen. Allerdings hatten die neuen Glühkerzeneinsätze eine tiefere Bohrung, so passte das Maß nicht mehr. Wodurch diese Abweichung zu Stande kam, lässt sich wohl nicht mehr rausfinden. Um das Problem langfristig zu lösen werden nochmals neue Spezialadapter angefertigt...

Aber was war dann? Nach kurzen Lauf trat ein dröhnendes, ratterndes, zum davonrennen grausames Geräusch auf. Der Motor wurde sofort abgestellt und alle sahen sich entgeistert an. "Dieser undankbare D----s Motor!!!" wir drehten im Stillstand den Motor von Hand durch und konnten nichst aber auch garnichts feststellen. Also nochmal starten... Der Sechzylinder lief sauber an und nach kurzer Zeit wieder "rrrrararararararararaarrar", oje oje oje.

Holger musste dann leider auch wieder weiter bemerkte jedoch, dass an der Position wo er während des Laufes Stand von Wasser angespritzt wurde.

An dieser Position befand sich "nur" die Wasserpumpe des Ladeluftkühlers, also Kühlwasser ablassen und Rohrflansch abmontieren. Als wir dann an der Hutmutter des Schaufelrades wackelten wurde schnell klar, das die Lager der Pumpe vollkommen defekt sind und das Schaufelrad in Verbindung mit dem Pumpengehäuse das Horrorgeräusch verursacht hat. Nach Tausch der Pumpe war glücklierweise alles gut. Jetzt fehlen uns nur noch die neuen Glühkerzenadapter. Diese sind eine Eigenentwicvklung von uns und somit einzigartig. Sie ermöglichen es, dass in dieser Motor mit modernen Stabglühkerzen betrieben werden kann! Im April war es nun soweit und die Adapter fanden ihren Weg zu uns:

Bild 5 Glühkerzenadapter

 

Somit Stand "nur noch" ein letzter Schmerz an: Der Motor hatte im Lauf große Regelschwankungen in der Drehzahl. Nach einer geauen Analyse stellten wir fest, dass dies durch ein schwergängiges Pumpenelement in der Einspritzpumpe verursacht wird. Dies ist hoch gefährlich, da bei einem eventuellen vollständigen Festfressen des Elementes die Regelstange blockiert wird und man somit die Kontrolle über den Motor verliert! Als Opfer sollte Aggregat Nr3 diénen: Da dieses noch nicht restauriert ist haben wir dessen Einspritzpumpe abgebaut und an Aggregat 2 montiert. Siehe da: Die Drehzahlschwankungen waren weg:-)

Bild 6 Einspritzpumpe

 

Abschließend noch zwei Impressionen der Kopfmontage:

Bild 7 Kopfmontage

 

Bild 8 Montage der Kipphebelhauben

 

An dieser Stelle wollen wir uns ganz herzlich bei ALLEN bedanken, die dieses Projekt ermöglicht haben. Unser Grundsatz "Richtigkeit vor Schnelligkeit" hat sich bewährt. Wir freuen uns auf die nächsten Projekte.

 

 

Autor: Bernhard Berger

 

 

 

 

Aktualisiert (Freitag, den 10. November 2017 um 09:50 Uhr)

 
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